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Ameisenvielfalt als Schlüssel zum Waldökosystem

Ameisen

Im Rahmen des 36. Seminars „Biologischer Forstschutz“ an der FAST Traunkirchen in Zusammenarbeit mit dem oberösterreichischen Landesforstdienst trafen sich Interessierte, um sich näher mit der Thematik „Ameisen“ zu beschäftigen.

Bauaufsicht: Teresa Weißhäupl

Die Sonne strahlt am Himmel, der in einem klaren Blau leuchtet, während eine Gruppe von Menschen mit Lupen in der einen und Ameisen in der anderen Hand dasteht. Findet man Haare am Hinterkopf oder am Rücken der Ameise? Die Gruppe diskutiert, Tipps zur besseren Handhabung werden gegeben. Unter anderem solle man darauf achten, dass man die Ameise im Sonnenlicht betrachtet, damit man etwaige Härchen besser sieht.

Schlussendlich sind sich alle einig, keine Härchen gesehen zu haben. Das Ergebnis lautet Formica polyctena, die kahlrückige Ameise. Am ersten Tag der bereits seit vielen Jahren bestehenden Tagung wurde der Wissensdurst der Teilnehmenden gestillt: Es gab unter anderem Vorträge zu den verschiedenen Lebensweisen sowie eine Übersicht über die heimischen Ameisenarten, ihre Lebensräume und Gefährdung und über den Ablauf von Rettungsumsiedlungen.

Von Arbeiterinnen und Gynen

Der Superorganismus Ameisenstaat brachte bereits Charles Darwin zum Grübeln. In einem Ameisenstaat gibt es eine männliche und mindestens zwei weibliche Kasten. Die Qualität des Futters bestimmt, ob sich aus einem befruchteten Ei eine Arbeiterin oder eine Gyne entwickelt. Die Arbeiterin kümmert sich um die Eier und Larven, sucht nach Futter wie Honigtau, Käfer und Raupen, transportiert es ins Nest und gräbt Gänge und Kammern, um das Nest zu erweitern. Die Arbeiterin ist unfruchtbar. Im Gegensatz dazu kann sich eine Gyne sehr wohl fortpflanzen. Nach der Paarung legt sie Eier. Wenn sich das erste Ei zu einer Arbeiterin entwickelt hat, wird die Gyne zur Königin. Je nach Ameisenart gibt es Nester mit nur einer Königin und Nester mit Hunderten oder Tausenden Königinnen. Aber wenn alle Lebewesen nach maximaler Fortpflanzung streben, warum machen die Arbeiterinnen die ganze Arbeit, ohne sich dieses vermeintliche Ziel erfüllen zu können? Die Antwort darauf bietet die Theorie der Verwandtenselektion, welche besagt, dass es für die Gesamtheit einer Art von Vorteil ist, wenn Töchter auf eigene Nachkommen verzichten und stattdessen die Nachkommen der engen Verwandtschaft großziehen.

Die Männchen spielen im Ameisenstaat eine untergeordnete Rolle. Sie besitzen ein Fühlerglied mehr als die Weibchen, haben Flügel und größere Augen und kleinere Gehirne. Während die Männchen bereits nach einigen Begattungen sterben, kann eine Königin jahrelang leben. Den Weltrekord für das älteste lebende Insekt trägt eine Ameisenkönigin, die 29 Jahre alt geworden ist.

Schlüsselrolle im Ökosystem Wald

In einer Kolonie können bis zu mehrere Millionen Ameisen leben und ihre Frischmasse auf 100 m2 kann über 1 Kilo betragen, was den Wert der Säugetiere übertrifft. Sie tragen eine Schlüsselrolle im Ökosystem Wald, denn sie sind bedeutende Räuber und können pro Stunde mehrere 1000 Insekten in ihr Nest eintragen. Außerdem sind sie selbst Nahrung für Vögel, wie zum Beispiel Spechte oder den Auerhahn. Der Grünspecht ernährt sich beispielsweise nur von Ameisen und im Winter nur von Waldameisen, welche durch ihre 60 %ige Ameisensäure sehr sauer schmecken.

Ameisen

Aber nicht nur Vögel profitieren von den Ameisennestern, über hundert Käferarten in Österreich haben sich auf die Lebensweise im Ameisennest spezialisiert. Der Ameisensackkäfer (Clytra laeviuscula) wurde auch im Zuge der Exkursion in der Nähe eines Nestes entdeckt. Er beklebt seine Eier mit Schuppen aus Kot und lässt sie fallen. Die Ameisen tragen die Kotkugeln in ihr Nest und die Larven leben geschützt in der Kothülle und ernähren sich von Ameisenbrut. Am bekanntesten ist wohl die Wechselwirkung zwischen Läusen und Ameisen. Baum-, Blatt- und Wurzelläuse können mit ihrem Saugstachel die zuckerhaltigen Assimilate aus Pflanzen saugen. Da sie aber nur einen Teil des Zuckers verarbeiten können, wird der Rest als Honigtau ausgeschieden. Dieser ist die Hauptnahrung der meisten mitteleuropäischen Ameisenarten.

Dieses Wissen fand beim 36. Seminar Biologischer Forstschutz seinen Weg in die Praxis – damit das Ökosystem Wald auch im Wirtschaftswald lebendig und intakt bleibt.

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